Donnerstag, 25. Dezember 2008

Chanty-Mansijsk

Ich mache einen Abstecher nach Chanty-Mansijsk, der Hauptstadt der gleichnamigen Autonomen Region, die größer ist als Frankreich, aber nur anderthalb Millionen Einwohner hat. Bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts befand sich hier die kleine Stadt Samarovo am Zusammenfluss von Ob und Irtysch. Neben Samarovo wuchs in den 30er Jahren eine neue Stadt heran – Chanty-Mansijsk, benannt nach den Völkern der Chanten und Mansen. Sie wurde das Verwaltungszentrum für die Region in der Hunderttausende Zwangsumsiedler aus den südlichen Regionen angesiedelt wurden. Ich besuche hier die regionale „Jugorskij-Universität“, um Kollegen zu treffen. Bis vor wenigen Jahren, solange die Stadt nur auf dem Luft und Wasserweg erreichbar war gab es hier vor allem Holzhäuser im traditionell russischen Stil. Inzwischen sind sie fast alle abgerissen. Vor die baufälligen letzten Exemplare hat man vor kurzem, als hier das Gipfeltreffen der Regierungschefs Europas und Russlands stattfand, schnell Wände aus grünem Blech gebaut. Sie stehen teilweise nur 20 cm vor den Fenstern der Häuser. Seit die Stadt durch eine Straße mit dem Rest des Landes verbunden ist, setzte hier ein Bauboom ein. Geld aus dem Ölgeschäft war genug vorhanden. Ob auch ein Entwurf von Norman Foster verwirklicht wird, ist nun unklar, nachdem die Preise für das Öl so gesunken sind. Die Holzhäuser werden aber trotzdem verschwinden. Der Baugrund ist zu wertvoll und Restaurierungen teurer als Neubauten.

















1 Kommentar:

JensBerlin hat gesagt…

Hallo Stephan,

herzlichen Dank für deine interessanten Erkundungen. Und Frohe Weihnachten.

Eine Frage: Welche Einflüsse hat das Internet auf den Alltag der Chanten, wenn mal von den Ballerspielen absieht. Im Wald werden sie es nicht haben, bleibt die Nutzung in der Stadt.

Grüße aus Berlin-Mitte
Jens