Donnerstag, 23. Oktober 2008

Allein zu Haus

Gestern sind meine Gastgeber abgefahren. Ich habe mich nach den Jungs auch an den Computer gesetzt und über "sterben und sterben lassen" (den Ego-Shooter Counter-Strike) fast die Realität vergessen.






Computer, Multimedia-Mobiltelefon und DVD-player haben das gute alte Fernsehen an Popularität bei den Jungs bereits weit überholt. Vor dem Fernsehen sitzen die Frauen und schauen Seifenopern, MTV und "Dom 2" (die russische Variante von "Big-Brother"). Sie wollten dabei aber nicht fotographiert werden.



Ein junger Chante, der auf dem Erdölfeld arbeitet, erzählte mir von den Arbeitsbedingungen dort. Die Schichten dauern einen halben oder ganzen Monat mit ebensoviel Freizeit anschließend. Die tägliche Arbeitszeit beträgt 10 Stunden plus zwei Stunden Pause, so dass die Arbeiter 12 Stunden-Schichten haben. Nimmt man die Fahrzeit auf die Erdölfelder hinzu, reicht die Zeit zu Hause gerade zum Schlafen. Seine Freizeitperiode geht gerade zu Ende und er will jetzt zu seinem Onkel in die Taiga um dort mit dem Zugnetz zu fischen. Er wird die gefangenen Hechte seinem Vorgesetzten mitbringen, der es dann mit der Arbeitszeit und -disziplin nicht so ernst nimmt. Diese Beziehungen und Gefälligkeiten, manchmal auch Bestechungen bilden eine informelle Ökonomie oder Schattenwirtschaft. Das ist aber die Art des Austauschs von Gütern, den die Chanten untereinander und mit den Russen seit undenklichen Zeiten betreiben. Man tauscht nicht nur Gegenstände und ihr Äquivalent, das Geld sondern auch soziale Bindungen und Verpflichtungen.

1 Kommentar:

Reinhard Kleist hat gesagt…

Mein Lieber,
das sieht ja sehr sibirisch aus...
Wünsche Dir alles Gute bei den Chanten!
Ich schaue ab und zu mal rein in Deinen Blog.
Reinhard